VERSUCHTE BERGUNG EINES PANZERSTÜCKS AM RHEIN
Der Reeser Geschichtsverein RESSA hat es am Samstag erstmals auf die Internetseite der "Tagesschau" geschafft:
https://www.tagesschau.de/inland/regional/nordrheinwestfalen/wdr-initiative-in-rees-vier-maenner-wollen-einen-panzer-aus-dem-rhein-holen-100.html
Zwar steht dort "Historische Vereinigung Rees", was nicht korrekt ist, aber die prominente Plattform zeigt das überregionale Interesse an der versuchten Bergung eines Sherman-DD-Panzers aus dem Zweiten Weltkrieg auf Höhe Reeserward.
Der Finder Guido Krebber sowie weitere Historiker aus dem Kreis Wesel, darunter RESSA-Mitglied Alexander Berkel (Autor des Buches "Krieg vor der eigenen Haustür") und Olaf Prinz (Liberation Tower in Hamminkeln) haben vor wenigen Wochen den Reeser Geschichtsverein und insbesondere den 2. Vorsitzenden Michael Scholten in das Projekt eingebunden, weil der Verein schon 2022 an der Bergung eines Bailey-Brückenstücks am Reeser Rheinufer sowie an dessen Aufstellung als Denkmal an der Reeser Rheinpromenade beteiligt war.
So nahmen jetzt auch Thijs van Dooren aus Gendringen (Finder des Bailey-Brückenstücks) und Baggerfahrer Klaus Novak aus Reeserward an der Aktion teil. Wichtig: Der Bergungsversuch war mit den Behörden sowie mit dem Kampfmittelräumdienst abgesprochen und genehmigt worden.
Bei dem Fundstück handelt es sich um ein circa 2,40 mal 3 Meter großes Stück eines explodierten britischen Schwimmpanzers. In der Nacht vom 23. auf den 24. März 1945 wurden Sherman DD Tanks für die Rheinüberquerung der Alliierten eingesetzt. "DD" steht für "Duplex Drive" und weist darauf hin, dass die Panzer an Land mit Ketten fahren konnten, im Wasser aber durch zwei Schrauben angetrieben wurden.
Sherman DD Tanks waren reguläre Panzer, um die eine bootähnliche Hülle aus wasserabweisender Leinwand (mit einem Konstrukt aus aufblasbaren Schläuchen) hochgezogen wurde. So konnten die Panzer aus eigener Kraft eine gewisse Strecke im Wasser zurücklegen und waren, sobald sie am Ufer ankamen, einsatzbereite Panzer. Beim D-Day in der Normandie 1944 sanken viele Sherman DD Tanks bereits auf dem Weg zum Festland, weil die Wellen viel zu hoch für die Konstruktion waren.
Für die Rheinüberquerung der Alliierten im März 1945 waren diese Schwimmpanzer besser geeignet. Einige wurden aber schon am linken Rheinufer zerstört, als die Deutsche Wehrmacht den Rheinübergang mit Dauerfeuer zu verhindern versuchte. Nachweislich sieben Sherman DD Panzer wurden während ihrer Überfahrt getroffen und versenkt. Einer schaffte es fast bis ans Ufer in Reeserward, wurde aber getroffen, wodurch in einer Kettenreaktion die Munition an Bord des Panzers explodierte. Ein großes Trümmerstück sowie viele kleine Überreste dieses Sherman DD Tanks wurden im August 2026 bei Niedrigwasser durch Guido Krebber entdeckt und den Behörden gemeldet.
Der steigende Rheinpegel ließ das Trümmerstück zunächst wieder im Wasser verschwinden. Erst der erneute Rückgang des Wassers und die behördliche Freigabe des Bergungsversuches am Mittwoch (30. September) ermöglichten die Aktion am Samstag, 3. Oktober.
Leider erwies sich der eingesetzte Kleinbagger (mit dem 2022 das Bailey-Brückenstück erfolgreich geborgen werden konnte) diesmal als zu schwach. Nach circa dreieinhalb Stunden musste der Bergungsversuch eingestellt werden. Grund dafür ist nicht das Eigengewicht des Panzerstückes, sondern dessen Verankerung im Schlammboden des Rheins. Zwar wackelte das Trümmerteil immer mal wieder hin und her, rauf und runter, aber der Bagger vermochte es nicht, das militärhistorisch interessante Stück aus dem Rhein zu holen. Zu groß war die "Anziehungskraft" des Bodens.
Die Berichterstattung im WDR (in den Radionachrichten, in der Aktuellen Stunde und auf tagesschau.de) und die nachfolgenden Berichte in den lokalen Zeitungen, aber auch auf dieser Seite des Reeser Geschichtsvereins, sorgen für eine Öffentlichkeit, die vielleicht bei der Bergung des Panzerstückes helfen kann, bevor der nun wieder steigende Rheinpegel die Aktion unmöglich macht bzw. um Jahre verzögert.
Wünschenswert wäre eine regionale Baufirma, die günstig oder kostenfrei einen großen Bagger oder einen Kran zur Verfügung stellt, möglichst mit Kettenantrieb oder sehr großen Rädern.
ABER: Die Erfahrungen mit der Bergung des Bailey-Brückenstückes zeigen, dass ein langer Atem manchmal nötig ist und dennoch zum Ziel führt. 2018 gefunden, scheiterte der erste Bergungsversuch des Bailey-Brückenstücks. Erst 2022. als das Rheinwasser so niedrig war, dass Klaus Novaks Bagger anrücken konnte, verlief die Aktion erfolgreich. Drei Jahre später, zum 80. Jahrestag des alliierten Rheinübergangs bei Rees, wurde das Bailey-Brückendenkmal eingeweiht und ist inzwischen offizieller Bestandteil der grenzüberschreitenden Liberation Route.
Der Reeser Geschichtsverein RESSA wird an dieser Stelle und in den Medien weiter über die Aktion rund um den Sherman DD Tank berichten. Langfristiges Ziel ist nicht nur die Bergung, sondern auch eine Nutzung des Fundes als Denkmal und somit als Würdigung der "Operation Plunder", die 1945 entscheidenden Anteil daran hatte, dass das Deutsche Reich am 8. Mai 1945 kapitulieren musste.
Für historische Details empfiehlt RESSA die erstklassige Internetseite www.krieg-am-niederrhein.de , die u.a. von Alexander Berkel betrieben wird. Dort steht auch alles über den Einsatz der Sherman DD Tanks beim Rheinübergang auf Reeser Gebiet.
Fotos (c) RESSA / Michael Scholten